Nähen ohne Schablonen

Nähen ohne Schablonen

Schablonenfreies Patchwork ist in der Quilter-Szene seit vielen Jahren bekannt. Quadrate, Halbquadrat-Dreiecke und Viertelquadrat-Dreiecke sind schon viel, viel länger intime Freunde von QuilterInnen auf der ganzen Welt.

Das Geheimnis hinter schablonenfreiem Arbeiten ist eigentlich kein Geheimnis: Mit Hilfe eines Rollschneiders, einem Lineal und einer Schneidmatte werden zunächst Streifen, dann Quadrate, dann Dreiecke geschnitten. Zum Schluss haben Sie perfekte Quadrate, die aus zwei, drei oder mehr Dreiecken bestehen, die in Quiltblocks, Blockeinfassungen, Quilträndern etc. verwendet werden können.

Benötigtes Material: 

  • Rollschneider und Schneidmatte
  • Lineal
  • Stoff je nach geplantem Projekt
  • Nähmaschine
  • Nähfaden in einer neutralen Farbe
  • Schere
  • Stecknadeln (optional)

Theoretischer Hintergrund:

Den theoretischen Hintergrund des schablonenfreien Patchworks finden Sie - Überraschung! - in der Geometrie.

Die Blöcke, die sich am besten für das schablonenfreie Arbeiten eignen, bestehen aus Quadraten und rechtwinklgen, gleichschenkligen Dreiecken.

Block Firmament Der Block "Firmament" besteht komplett aus Quadraten und Halbquadrat-Dreiecken.

Beispiel:

Wenn wir mit Fliesen arbeiten würden, wäre der Aufbau von Blöcken sehr viel einfacher: einfach die Form ausschneiden, wie sie im Block vorkommt, und fertig. Aber nachdem man Stoff nicht mit Kitt Kante an Kante aneinanderfügen kann (zumindst nicht, wenn man plant, die Stoffstücke zusammen zu nähen), besteht ein erkennbarer Unterschied zwischen der endgültigen Größe der Form und der Größe, die aus Stoff auszuschneiden ist. Genau dieser erkennbare Unterschied heißt Nahtzugabe.

Wir tatsächlich mit Papier, Bleistift, einem vorgegebenen Quadrat, ein paar Farbstiften und einigen verlorenen Nerven versucht, die Zugaben zu den fertigen Dreiecksgrößen wie unten erklärt nachzurechnen.  Und wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass Jutta und Johann zum Schluss tatsächlich auf eine gute Annäherung des zu untermauernden Ergebnisses gekommen sind, obwohl sie komplett unterschiedliche Lösungsansätze gewählt haben.  Wenn Sie auch den steinigen Theoriepfad beschreiten wollen, brauchen Sie Unterstützung Ihrer guten alten Geometriefreunde  Pythagoras und Euklid…

Aber bitte Vorsicht:  Versuchen Sie nicht, zwischen Inch und Zentimetern hin und her zu wechseln.  Das führt nur zu Kummer und Frustration.  Entscheiden Sie sich für eine Richtung und bleiben Sie dabei.

Quadrate

Für Quadrate ist die Sache noch relativ einfach:

Die Basis für die Berechnung ist immer die gewünschte fertige Größe des Quadrats. Zu dieser fertigen Größe addieren Sie zweimal die Nahtzugabe.  Wenn Sie mit Inch arbeiten, ist das 2 x 1/4" (Inch).  Wenn Sie mit metrischen Maßen arbeiten, müssen Sie zweimal die Breite Ihres Nähfußes hinzurechnen.  Here bei Quilt around the World gehen wir immer davon aus, dass dies 0,75 cm sind, was dazu führt, dass Sie zur fertigen Größe des Quadrats 2 x 0,75 cm dazu rechnen müssen.

Beispiel:

Für Ihr Projekt brauchen Sie ein Quadrat mit der fertigen Seitenlänge von 2" (5 cm):

  • Sie müssen einen Streifen schneiden, der 2 1/2" (6,5 cm) breit ist.
  • Von diesem Streifen schneiden Sie ein Quadrat ab, das 2 1/2" (6,5 cm) breit und hoch ist.

Halbquadrat-Dreiecke

Für die sog. Halbquadrat-Dreiecke wird es schon ein wenig schwieriger.  Sie heißen Halbquadrat-Dreiecke, weil sie entstehen, wenn man ein Quadrat einmal diagonal durchschneidet.  Zur fertigen Größe des gewünschten, aus zwei Halbquadrat-Dreiecken zusammen genähten Quadrats addieren Sie 7/8" oder 2,5 cm.  Nicht wundern: 7/8" entsprechen natürlich NICHT 2,5 cm, aber 0,75 cm Nahtzugabe ist auch mehr als 1/4" Nahtzugabe!

Beispiel:

Für das gleiche Projekt brauchen Sie auch passende Halbquadrat-Dreiecke.

  • Sie rechnen wie folgt:  2" (5 cm) fertige Größe + 7/8" (2,5 cm) = 2 7/8" (7,5 cm)
  • Schneiden Sie zuerst einen Streifen zu, der 2 7/8" (7,5 cm) breit ist.
  • Dann schneiden Sie ein Quadrat mit 2 7/8" (7,5 cm) Seitenlänge von diesem Streifen ab.
  • Zum Schluss schneiden Sie das Quadrat einmal diagonal durch.
  • Das Ergebnis sind zwei Dreiecke, die zusammengenäht ein Quadrat von 2" (5 cm) fertiger Größe ergeben.

Viertelquadrat-Dreiecke

Für Viertelquadrat-Dreiecke müssen Sie 1 1/4" oder 3,5 cm zur fertigen Größe hinzurechnen.

Beispiel:

Um für unser Beispielprojekt passende Viertelquadrat-Dreiecke zuzuschneiden, gehen Sie wie folgt vor:

  • Berechnung:  2" (5 cm) fertige Größe + 1 1/4" (3,5 cm) = 3 1/4" (8,5 cm)
  • Zunächst einen Streifen zuschneiden, der 3 1/4" (8,5 cm) breit ist.
  • Dann vom Streifen ein 3 1/4" (8,5 cm) Quadrat ausschneiden.
  • Schneiden Sie das Quadrat zweimal diagonal durch.

Anmerkung:  

Dreiecke haben immer mindestens eine Seite, die schräg zum Fadenlauf liegt. Gehen Sie deshalb vorsichtig mit Ihren Dreiecken um und passen Sie auf, dass Sie den Stoff nicht dehnen.  Schneiden Sie Dreiecke entweder direkt vor dem Nähen zu oder bewahren Sie sie sicher in einer Schachtel auf. Achten Sie beim Bügeln auf eine Auf-und-Ab-Bewegung (im Gegensatz zu einer horizontalen Bügelbewegung).

Grüße von der Quilt-Polizei:

Warum der ganze Zirkus mit Halbquadrat- und Viertelquadrat-Dreiecken?

Je nachdem wo Ihr Halbquadrat- oder Ihr Vierteilquadrat-Dreieck in einem Block platziert wird, werden unterschiedliche Ränder des Dreiecks am Rand des Blocks zum Liegen kommen.  Wenn Sie die Streifen und Quadrate mit dem Fadenlauf zugeschnitten haben, wird die längere Seite eines Halbquadrat-Dreiecks (die Pythagoras Hypotenuse genannt hat) schräg zum Fadenlauf liegen. Bei Viertelquadrat-Dreiecken ist dies dagegen der Fall für die kürzeren Seiten des Viertelquadrat-Dreiecks (die Katheten heißen). Die äußeren Ränder eines Blocks sollten, wenn irgendwie machbar, nicht schräg zum Fadenlauf zugeschnitten worden sein, um das Dehnen des Blocks zu vermeiden. In den Fotos wird mit dem englischen Wort "Bias" schräg zum Fadenlauf verlaufende Bereiche der Blöcke bezeichnet.

Half-square triangle   Quarter-square triangle

Im Bild unten können Sie einen Sampler sehen, der ausschließlich mit Hilfe der schablonenfreien Technik genäht wurde. Er heißt '49', weil er aus 49 verschiedenen Blöcken besteht.

49